Holy Mountain Studios

Seit nun mehr als 10 Jahren bin ich mit der Mission beauftragt, vornehmlich der Hip-Hop-Szene entspringende Künstler aufzunehmen und zu produzieren. Von guten Jungs mit Gangsta-Rap-Image über Boombap-Oldschooler bis zu verträumten Cloud-Rappern reicht das weite Spektrum. Auch die Sakuro-Inhalte werden in den bescheidenen 10qm-Räumen meines Studios aufgenommen, gemixt und gemastert. Dabei hat sich die Hardware in den 10 Jahren nur minimal geändert:

Momentan besteht diese aus einem MacBook Pro, zwei KRK Rokit 5 Studio-Monitoren, einem Tascam US-2×2 Audio-/Midi-Interface, einem Arturia MINILAB und einem Rode NT-1A Kondensator-Mikrofon – gestartet habe ich mit einem Acer Laptop, winzigen Behringer Studio-Monitoren, einem Tascam US-144 Audio-/Midi-Interface, einem Akai MPD 24 und einem t.bone Kondensator-Mikrofon. Auch das Technics KN1000 PCM Keyboard war von Anfang an dabei.

Als DAW war die ersten fünf Jahre Cubase meine Nummer 1, seit diversen Ausflügen in den Bereich des Techno-Producings hat sich mittlerweile (auch für das Recording) Ableton Live etabliert.

Man sieht also, hier und da gab es im Laufe der Jahre ein kleines Update, im Großen und Ganzen jedoch hat sich nicht sonderlich viel verändert. Oder etwa doch?

Heutzutage lassen sich keine sonderlich großen Unterschiede mehr erkennen zwischen in „professionellen“ Studios aufgenommen und „professionell“ gemasterten Songs und denen, die in den Holy-Mountain-Studios entstanden. Zu Beginn jedoch sah das ganz anders aus: die Stimme war zu leise, genauso wie der Song insgesamt, mal war sie zu schrill, mal zu dumpf, oft konnte man vor lauter übereinander gelagerter Spuren den Text nicht mehr verstehen, geschweige denn eine klare Emotion wahrnehmen und Effekte waren meistens fehlplatziert. Was hat sich also verändert?

Nun, das gute, alte Sprichwort „Übung macht den Meister“ hat sich auch in meinem Fall bewährt, denn Schule und Studium eines Handwerks sind schön und gut, am Ende des Tages jedoch geht es um Erfahrung. Das ist auch der Grund, warum ich nie eine überteuerte Ausbildung bei Privathochschulen wie SAE gemacht habe, das Leben liefert schließlich noch immer die besten Lehren.

Worum geht es also bei einer Aufnahme? Etwa um ein marktkonformes 16-bit-Stück mit High- und Lowcut plus aufgerissenen Limiter zur Behauptung im Lautstärke-Krieg? Sicherlich auch.

Viel mehr jedoch sollte die Persönlichkeit und Emotion des jeweiligen Künstlers bzw. Stückes im Vordergrund stehen. Und damit sind wir beim springenden Punkt angelangt: jeder Künstler ist/schwingt einzigartig und hat eine einzigartige Art und Weise seine Message und Energie zu verbreiten. Das muss hörbar gemacht werden und genau da liegt meine Hauptaufgabe! Der eine rotzt mit krächzender Stimme den Schmerz des Untergrunds ins Mikro, da gilt es, die schleifenden Konsonanten im mittleren Höhenfrequenzbereich anzuheben ohne durch zischende s-Laute die Ohren zum bluten zu bringen. Die andere umhüllt das Mikrofon mit Engelsgesängen, da heißt es, (Atmo-)Sphäre zu schaffen ohne die Klarheit der Stimme zu verlieren. Daneben sollte sich auch aus einer fast schon unerträglich schief eingesungenen Aufnahme eine perfekte AutoTune-Harmonie heraushören lassen (das gelingt natürlich nicht immer und oft bin ich dann selber vom Ergebnis überrascht).

Viel wichtiger als gute Recording-Skills ist somit eine gute Menschenkenntnis. Oft rede ich mit den Künstlern erst einmal über ihre Vision, ihren Alltag und ihre Weltanschauung. Wenn sich daraus ein Gesamtbild ergibt und ich eine emotionale Verbindung zum Künstler herstellen kann, muss ich mich beim Recording und Mixing meist nur noch von meiner Intuition leiten lassen. Mit dem Ergebnis waren bis jetzt alle sehr glücklich, daher hat sich in den Jahren folgender Leitsatz bei mir eingestellt:

Wenn das Endresultat die komplexe innere Vision des Künstlers widerspiegelt, dann habe ich einen guten Job gemacht.

DSC00382